Anregungen von Papst Franziskus

Für jeden von uns steht einGaliläa“ am Anfang unseres Weges mit Jesus. „Nach Galiläa gehen“ bedeutet etwas Schönes; es bedeutet für uns, unsere Taufe wiederzuentdecken als eine lebendige Quelle, neue Energie aus dem Ursprung unseres Glaubens und unserer christlichen Erfahrung zu schöpfen. Nach Galiläa zurückkehren bedeutet vor allem, dorthin, zu jenem glühenden Augenblick zurückzukehren, in dem die Gnade Gottes mich am Anfang meines Weges berührt hat. An diesem Funken kann ich das Feuer für das Heute, für jeden Tag entzünden und Wärme und Licht zu meinen Brüdern und Schwestern tragen. An diesem Funken entzündet sich eine demütige Freude, eine Freude, die dem Schmerz und der Verzweiflung nicht weh tut, eine gute und sanfte Freude. (19.04.2014)

 

Im Leben des Christen gibt es nach der Taufe auch noch ein anderes „Galiläa“, ein noch existenzielleres „Galiläa“: die Erfahrung der persönlichen Begegnung mit Jesus Christus, der mich gerufen hat, ihm zu folgen und an seiner Sendung teilzuhaben. In diesem Sinn bedeutet nach Galiläa zurückkehren, die lebendige Erinnerung an diese Berufung im Herzen zu bewahren, als Jesus meinen Weg gekreuzt hat, mich barmherzig angeschaut und mich aufgefordert hat, ihm zu folgen; nach Galiläa zurückkehren bedeutet, die Erinnerung an jenen Moment zurückzuholen, in dem sein Blick dem meinen begegnet ist, den Moment, in dem er mich hat spüren lassen, dass er mich liebte. (19.04.2014)

 

Heute kann jeder von uns sich fragen: Welches ist mein Galiläa? Es geht darum, Gedächtnis zu halten, mit der Erinnerung zurückzugehen. Wo ist mein Galiläa? Erinnere ich mich daran? Habe ich es vergessen? Suche es, und du wirst es finden! Dort erwartet dich der Herr. Bin ich Wege und Pfade gegangen, die es mich haben vergessen lassen? Herr, hilf mir: Sag mir, welches mein Galiläa ist; weißt du, ich will dorthin zurückkehren, um dich zu treffen und mich von deiner Barmherzigkeit umarmen zu lassen. Habt keine Angst, fürchtet euch nicht, geht nach Galiläa zurück! (19.04.2014)

 

Auch Gott weint! Sein Weinen ist das eines Vaters, der seine Kinder liebt und sie niemals verleugnet, auch wenn sie rebellisch sind, sondern der immer auf sie wartet... In den schwersten Momenten antwortet der Vater. Erinnern wir uns an Isaac, als er mit Abraham zum Opfer geht. Isaac ist nicht dumm, er begreift, dass sie Holz und Feuer mitgenommen haben, aber nicht das Lamm für das Opfer. Er hatte Angst im Herzen! Und was sagt er? “Vater!” und dieser antwortet sofort: “Hier bin ich, Kind.” Der Vater antwortet. So sagte auch Jesus im Garten Gethsemani mit jener Angst im Herzen: “Vater, wenn es möglich ist, lass diesen Kelch an mir vorübergehen.“ Und die Engel kamen, um ihm Kraft zu geben. So ist unser Gott, er ist Vater!  Er ist ein Vater! Ein Vater wie jener, der den verlorenen Sohn erwartete, der mit dem ganzen Geld, mit dem ganzen Erbe davon gelaufen war. Doch der Vater erwartete ihn jeden Tag und sah ihn schon von Weitem kommen. Das ist unser Gott! Auch unsere Väterlichkeit – in der Familie wie auch die spirituelle Vaterschaft der Bischöfe und Priester muss  so sein.  Der Vater hat eine Art Salbung durch den Sohn: Er kann sich selbst ohne Sohn nicht begreifen! Deshalb braucht er den Sohn: Er wartet auf ihn, er liebt ihn, er sucht ihn, er vergibt ihm, er will ihn nahe bei sich, so nah wie die Henne ihre Küken. Es ist eine Gnade, eine Gabe des Heiligen Geistes,  zu Gott „Vater“ zu sagen aus ganzem Herzen. Erbitten wir diese Gnade.

 

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See Genesareth, Galiläa. Foto: Claudia Echenique, Buenos Aires, Argentinien